Der ewige Kreislauf

Irgendwann zum Ende des 19. Jahrhunderts haben schlaue Menschen das System Kino erfunden und erdacht. Nach langen Jahren kam das Fernsehen als Alternative  hinzu und es wurde lange und intensiv der Untergang des Abendlandes im Allgemeinen und der Untergang des Kino im Speziellen prophezeit. Ein paar Jahrzehnte mußte man warten bis die nächste Katastrophe eintrat: Die Erfindung des Videorecorders und die Möglichkeit sich jeden Film, mit ein bisschen körperlichen und/oder finanziellen Aufwand, zeitnah nach Hause zu holen. Der Untergang des Kinos wurde medial immer akuter. Nach der Jahrtausendwende kam schließlich das ominöse Internet mit dem noch ominöseren Filesharing hinzu, daß vollkommen freien und unsteuerbaren Zugriff auf neueste filmische Auswürfe ermöglichte. Der hiermit verbundene mediale Aufschrei hat sich gar nicht mehr gelegt...und was steht am Ende vom Tag? Im Jahr 2017 hat die Kinowelt wieder einmal ihre eigenen Umsatzrekorde gebrochen...so, wie sie es schon seit Jahrzenten immer wieder und wieder tut.

Irgendwann im 20.Jahrhundert kamen Menschen auf die Idee, sich vermehrt der Pädagogik zu widmen, neue Konzepte zu entwickeln und Gefahren frühzeitig zu erkennen, sowie zeitnah Mittel und Wege des Gegensteuerns zu entwickeln. Und hier setzt ebenso wieder der ewige Kreislauf ein. Die Panik und das Unverständnis vor den neuen Wegen der Jugendlichen, die immer wieder und wieder kehren. Der Vergleich mit der früheren Zeit, der immer wieder und wieder kommt. Die Angst, die immer wieder und wieder kommt, was aus dieser Generation werden mag.

Am Ende vom Tag ist aber doch alles wieder wie gehabt. Eine Genration wie jede andere. Nicht besser und nicht schlechter. Nur ausgestattet mit anderen Ideen, Vorbildern, Sprachvarianten und Medialen Kanälen die sie verfolgen und von denen sie geprägt werden. Das ist der Tenor, der 15 Interviews, die in der Oberpfalz durchgeführt wurden. Interviews, bei denen sowohl die Ambitionen und der Enthusiasmus der Interviewpartner in Ihrer Arbeit mit Jugendlichen , als auch die Wertschätzung der Personen für die Jugendlichen immer wieder deutlich zu Tage traten. Auch und im Speziellen Gesprächspartner, die nur am Rande mit der Jugendarbeit zu tun hatten, brachten deren Lebenswelt weit mehr Verständnis entgegen, als oftmals kolportierte Resignation und Zynismus.

 

Ewald Zenger, Geschäftsführer Stadtjugendring Weiden

"Ich glaube nicht, daß sich das Verhalten der Jugendlichen in den letzten 10000 Jahren geändert hat. Da ist unserer Großhirnrinde gleichgeblieben. Risikobereitschaft der Jugendlichen ist groß und wir werden nach wie vor, wie Don Quichote, dagegen arbeiten. Wir werden auf Gefahren aufmerksam machen usw. Ich kann mich an die ersten Gespräche in den 80iger Jahren mit Kollegen erinnern und wir haben im Prinzip immer wieder die gleichen Diskussionen geführt."

Theresa Stangl. Vorstand der Wirtschaftsjunioren Cham

"Oberflächlich. Definitiv. Natürlich gab es die klassischen Teenieprobleme auch bei mir. Aber ich habe das Gefühl, daß es keine Zeit mehr gibt, Kind zu sein. Die Übergangsphase zwischen Kind und Teen gibt es nicht mehr wirklich. Die Mädchen sind extrem geschminkt, die Jungs übermäßig cool. Die Themen drehen sich um Postings, Likes und Facebookgruppen. Es sieht so aus, als sollen sie so schnell wie möglich für die Wirtschaft bereit stehen."

(beide auf die Frage, welche Veränderung man bei den Jugendlichen sieht)

Frank Betthausen, Redaktionsleiter der Regionalausgaben der Mittelbayerischen Zeitung

"Meine Hoffnung ist einerseits Multitasking. Also daß es für die Jugendlichen selbstverständlicher ist, als für uns und sie sich besser zurechtfinden, als wir es ihnen zutrauen. Zum anderen stelle ich auch in meinem Bekanntenkreis bzw. dem Freundes- und Bekanntenkreis meiner Kinder vermehrt fest, daß sich Jugendliche (auch in der Gruppe) selber bewusst Grenzen setzten und auferlegen. Speziell was die Mediennutzung betrifft."

Martin Schultze, geschäftsführender Diozösansekretär der KAB Regensburg

" Abgrenzung von Erwachsenen wird bleiben. wenn die Erwachsenen allerdings weiter in eigentlich jugendliche Disziplinen eindringen (Tattoos, Party, Jagd nach Trends) werden Jugendliche weiter und extremer versuchen aus dem Alltag auszubrechen und sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen"

(beide auf die Frage, wie Jugendliche Veränderungen wahrnehmen und selbst handeln)

Josef Weilhammer, Direktor Europaberufsschule Weiden

" Der berufliche Arbeits- und Weiterbildungsweg ist ins Abseits geraten. Viele Schüler und vor allem auch die Eltern wollen einen akademischen Weg einschlagen. Daß der praktische, handwerkliche Weg ebenso zum Ziel führt und auch explizit nicht schlechter bezahlt wird. Das wünsche ich mir auch, daß die Menschen das wieder erkennen, daß es zwei Wege zum Erfolg zu kommen."

Gerlinde Beck, Teamleitung Arbeitsagentur Schwandorf

"Zum einen die Bodenständigkeit der Bewohner und die Identifikation mit der Region. Die klassischen Argument für einen ländlich geprägten Raum. Darüber hinaus eine gewisse Zuverlässigkeit was viele Bereiche des öffentlichen Lebens betrifft. Veränderungen finden nicht so abrupt und häufig statt, wie in einer Großstadt. Die räumliche Mobilität ist noch ein weiterer Punkt. Man ist es hier gewohnt 20-30 Kilometer zur Arbeit oder in die Disco zu fahren, in einer Großstadt bleibe ich doch eher in meinem Block, meinem Stadtteil"

(beide auf die Fragen nach Stärken bzw. Schwächen der Region)

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